REEPERBAHN FESTIVAL 2026

REEPERBAHN FESTIVAL 2026



  • Clubkonzert

Line Up: The Orchestra (For Now), The Homesick, Hiqpy, 1000 Rabbits, Bleech 9:3, My First Time, Arcy Drive


The Orchestra (For Now) | 18:50 - 19:50 | Club


Kaum ein Venue auf diesem Planeten hat die zeitgenössische Rockmusik in den letzten Jahren so nachhaltig geprägt, wie die Windmill im Süden Londons. Ob black midi, Squid, Shame oder Black Country, New Road: Hier wird das klassische Bandsetup aufgebrochen und in ungeahnte Bahnen gelenkt. The Orchestra (For Now) darf dabei vielleicht als das interessanteste neue Projekt dieser Szene gelten, das an der delikaten Schnittstelle von Nostalgie und Futurismus operiert. Mit dem EP-Duo „Plan 75“ und „Plan 76“ (2025) hat das siebenköpfige Ensemble quasi aus dem Stegreif einen irrwitzig atmosphärischen Mix aus Art Rock und Kammermusik, 70er-Prog und Post-Hardcore, Indie und Konzeptarbeit entworfen, produziert und perfektioniert. Von BBC 6 über Quietus bis Clash Music überschlagen sich seither die begeisterten Kritiken – und das völlig zu Recht. Die kompositorische Dramaturgie der Stücke, die Komplexität der Arrangements und zugleich ihre charmante Eingängigkeit kennt im derzeitigen Musikgeschehen des UK keine Entsprechung. The Orchestra (For Now) haben geschafft, was Kulturpessimisten landauf landab kaum noch für möglich halten: menschliche, widersprüchliche, imperfekte, anrührende Musik mit Ecken und Kanten zu schreiben, ganz ohne künstliche Interferenz. Für den Moment.


The Homesick | 19:35 - 20:35 | Top Ten Bar


Zwischen blühenden Harmonien und kantigen Punk-Parts, die einen schon mal kalt aus dem Hintergrund erwischen, legen The Homesick spielerisch den Schalter um. Oft genug in ein und demselben Song. War das Debüt „Youth Hunt“ (2017) noch eine mystische Kreuzung aus Post-Punk und Noise Pop, wurde das Stil-Repertoire auf dem Nachfolger „The Big Exercise“ (2020) mit enormer Experimentierwut erweitert. Plötzlich waren auch Math Rock und Psychedelic Pop anno 1969, Indie und artsy Pedal-Kapriolen kein Problem, wurden sogar integriert als hätte dieses westfriesländische Trio nie etwas anderes getan. Reminiszenzen an Animal Collective und The Shins, aber auch an XTC oder Vampire Weekend schimmern hier und dort durch. Dass The Homesick dennoch zweifellos ihr komplett eigenes Ding durchziehen, demonstrieren sie auf dem dritten Album vor fast genau drei Jahren mit bestechender Leichtigkeit. Nicht nur in den Niederlanden sind sie seitdem eine gefeierte Instanz, wenn es um gänzlich idiosynkratischen Anti-Pop der neuesten Schule geht. Für ihren ersten Gig bei uns bringen sie im September neben der jüngsten Single „Esperanto“ (2026) noch ein Potpourri weiteres frisches Material mit. Nicht verpassen.


Hiqpy | 20:40 - 21:35 | Club


Die Bandgründung lag kaum ein Jahr zurück, da spielten Hiqpy schon auf namhaften niederländischen Festivals wie dem Eurosonic Noorderslag oder dem SomPop. Mit einer üppig produzierten Mixtur aus fuzzy Gitarren und emotionalen Melodiebögen, krachendem Schlagwerk und den zarten Vocals von Abir Hamam infiziert das Quartett seitdem jede Crowd zwischen Venlo und Amsterdam mit nachhaltiger Begeisterung. Support kriegen sie aber nicht nur von ihrer stetig wachsenden Fanbase, sondern auch von Grammy-Produzent Danton Supple (Coldplay, Elbow,U2), unter dessen Ägide ihre Debüt-Single „Something“ (2025) entstand – ein herausragendes Beispiel modernen Indie-Rocks, der mit Dream Pop und Grunge schmust. Seitdem können sich Hiqpy vor Awards und Titeln kaum retten, dominieren mit großem Erfolg niederländische Radiostationen und haben das Signing bei Sony folgerichtig auch schon sicher. Dieses Jahr erscheint mit „Slow Death Of A Good Girl“ (2026) das erste Studioalbum und eines ist jetzt schon sicher: die europäische Indie-Szene wurde lange nicht mehr mit einem derart ausgereiften, vielseitigen und stimmungsvollen Debüt beschenkt.


1000 Rabbits | 21:35 - 22:35 | Top Ten Bar


So wie 1000 Rabbits könnten gut und gerne mehr Bands an den Start gehen: Zunächst ein paar Dutzend Konzerte spielen, den eigenen Sound finden, Songs schreiben und wachsen lassen. Und dann: BAM! „Virgin Soil“ zaubert Anfang des Jahres nicht nur im UK einigen Indie-Connaisseuren ein Lächeln ins Gesicht. Rhythmisch ausgefuchst und zugleich klug verziert mit Violinlinien, Texturen aus sparsamen Synths und Gitarren sowie einem Gesang zwischen Intimität und Dringlichkeit, haben 1000 Rabbits die kultpotente Londoner Windmill Scene in einen Rausch versetzt. Der Sound des fünfköpfigen Gespanns zelebriert den Widerspruch des kontrollierten Kontrollverlusts, ist durchdacht und offen zugleich – irgendwo zwischen Indie Pop, Art Rock, Canterbury-Touch und Jazz Fusion. Sowohl im Songwriting als auch auf der Bühne tritt eine ungestüme Lust am Experiment, am Unkonventionellen zutage, die sich gleich einem Nebel enigmatisch über die Band legt. Dementsprechend unvorhersehbar wird ihr Konzert bei uns in Hamburg.


Bleech 9:3 | 22:20 - 23:00 | Club


Wie aus einer Zeitmaschine geschleudert, schlagen Bleech 9:3 vergangenes Jahr im Untergrund der irischen Musikszene auf. Niemand kannte die vier Dubliner – und doch weckt ihr Sound bei jedem Erinnerungen, die zunächst kaum zu verorten sind. Wer weiter zuhört, merkt schnell: hier schimmern Momente von Nirvana durch, dort ist diese rohe, abgefuckte Energie aus den frühen 90ern spürbar und da hinten wird der Alternative Rock der 2000er mit großem Weltschmerz wiederbelebt. Soundgarden, Pearl Jam, Radiohead - alles klar, die Einflüsse sind abgesteckt. Doch was Bleech 9:3 daraus hochziehen und realisieren, ist kein bloßes Revival. In Songs wie der Debüt-Single „Ceiling“ (2025) oder „Cannonball“ (2026) kommen Anleihen von Noise Rock und dem lyrischen Crossover eines Jacoby Shaddix nebst moderner Produktion zusammen, was dem stilistischen Gesamtbild eine zeitgemäße, unverbrauchte Signatur verpasst. Die Debüt-EP „Bleech 9:3“ (2026) frisch abgemischt im Sack, dürfen wir die vier Iren schon im September für ihren ersten Deutschland-Gig und die amtliche Reeperbahn-Premiere in Hamburg begrüßen. Bei uns habt ihr sie dann vor allen anderen gesehen.


My First Time | 23:35 - 00:35 | Top Ten Bar


Zum ersten Mal begegnen sie sich, weil sie Freiwillige einer im Jahr 2021 durchgeführten medizinischen Studie an der Bristol University sind. Dabei entdecken die vier Köpfe von My First Time derart viele musikalische Überschneidungen und Interessen, dass die Bandgründung im Anschluss kaum mehr als eine Formalie ist. Inspiriert von so unterschiedlichen Projekten wie Idles und Kraftwerk, Blood Orange und My Chemical Romance trifft der Sound der Vier irgendwo zwischen Indie-Rock, Post-Punk und clubtauglicher Tanzbarkeit einen sweet spot, den offenbar viele fühlen. Songs wie „Man Of Ill Repute“ (2024) oder „Picture Of Health“ (2026) sorgen auf ihren Konzerten verlässlich für ekstatisches Ausrasten und auch wenn der Sound dieser Band unbedingt Spaß macht, ist er zugleich hochpolitisch. So prangern sie schon auf der Debüt-Single „Wind Up Merchant“ (2023) die gegenwärtige Netzkultur ebenso wie grassierenden Konservatismus an und widmen sich mit „Sippy Cup“ (2025) der pervertierten Vermögen der Überreichen weltweit. Mit der neuen EP „My First Time“ (2026) scheinen sie ihren Sound gefunden zu haben – und präsentieren ihn dieses Jahr erstmals auch bei uns.


Arcy Drive | 23:55 - 00:40 | Club


Die Bucketlist des Rockstar-Daseins haben Arcy Drive schon zu Beginn ihrer Laufbahn abgehakt. Der Vierer aus Northport, New York ist nicht nur mit Songs wie „Roll My Stone“ (2022) oder „Time Shrinks“ (2023) innerhalb weniger Monate zu einem Phänomen des US-amerikanischen Garage Rock Revivals avanciert und sahnt seither zig Millionen Streams auf einschlägigen Plattformen ab. Das Debütalbum „The Pit“ (2025) haben die lebenslangen Freunde darüber hinaus in Woodstock aus der Taufe gehoben und ja: die Geister von Crosby, Stills & Nash und Led Zeppelin, von Creedence Clearwater Revival und The Band durchhauchen hier jede Note, jeden Takt, jedes Instrument. Doch Arcy Drive erspielen sich die dichte Atmosphäre dieser Musik, ohne Klischees zu bedienen oder allzu sehr in Nostalgie zu schwelgen. Stattdessen entstehen die Songs auf Tour, im Van oder zwischen den Gigs und können ihre eigene Story erzählen – die Geschichte einer neuen Generation von Bands, die es in manchen Belangen einfacher und in anderen viel schwieriger haben. So positionieren sich Arcy Drive als würdige Erben der hypnotischen Coolness, die aus den 60er- und 70er-Jahren bis in die Gegenwart schimmert. Genug Gründe, sie jetzt endlich auch zu uns nach Hamburg zu holen.

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