REEPERBAHN FESTIVAL 2026

REEPERBAHN FESTIVAL 2026



  • Clubkonzert

Line Up: Pamela, Day We Ran, Jack Gray, HEADSEND, REDD., South Summit, Jamaica Moana, Lucky, Sex Mask, BIG WETT, Cosmo's Midnight, Playlunch, Cory Hanson, Concrete Vehicle, Alice Costelloe, Little Granddad, Vienna Vienna, Maria Iskariot


Pamela | 12:00 - 12:30 | Top Ten Bar


Wer sich genauer mit ihrer Musik auseinandersetze, würde schnell feststellen wofür sie am besten geeignet ist: ein gutes Gefühl, ein Moment des Glücks, eine Route in Richtung Morgen. Pamela behaupten das allerdings nicht nur, sondern schaffen in ihrem schimmernden Alt-Pop immer wieder diese euphorischen Augenblicke, mit denen sie Down Under schon zu einem hunderttausendfach gestreamten Duo jenseits aller KI-Slops avanciert sind. Ein Gefühl von Leichtigkeit, von Aufbruch ohne Druck ist Teil ihrer kompositorischen Identität. So entfaltet sich der Sound der beiden harmonisch mühelos und zugleich atmosphärisch, orientiert am Indie-Duktus der 90er aber auch an Projekten wie The Strokes und The xx. Als Support für Dope Lemon aber auch solo haben sie den roten Kontinent in den letzten Jahren schon von Ost bis West bespielt und in ausverkauften Venues für feuchte Augen gesorgt. Mit dem Erscheinen der lange erwarteten Debüt-EP „It's nice to see you here“ (2026) ist es nun höchste Zeit, dass ihr sie auch bei uns in Hamburg live auf der Bühne sehen könnt – noch bevor der Hype so richtig zündet.


Day We Ran | 12:30 - 13:00 | Club


Es ist eine ausgeprägte Sehnsucht, die den Sound von Day We Ran durchzieht und die sich nicht nur in den träumerischen Texten des Trios widerspiegelt. Auch in den hallenden Gitarren, luftigen Singalong-Vocals und Melodien, die sich scheinbar bis zum Horizont ausdehnen, scheint dieses bittersüße Fernweh förmlich greifbar. Von der Ostküste Australiens sendet die Band sommerliche Vibes quer über den Pazifik in die Welt hinaus und hat mit Singles wie „Forestry“ oder dem euphorischen „Foaming“ (2023) bereits ein internationales Millionenpublikum erreicht. Eine breit angelegte PR-Kampagne war dafür genauso wenig notwendig, wie die Anbiederung an irgendeinen Hype in den Socials. Stattdessen schwingt im Sound der drei Brüder eine liebliche Retro-Ästhetik mit, die etwas an psychedelische Rock-Formationen aus den späten 70ern erinnert, aber auch Nuancen von Jack Johnsons entspannter Losgelöstheit oder den harmonischen Sensibilitäten von Portugal. The Man birgt. Down Under hat die Band jedenfalls den Geheimtipp-Status längst hinter sich gelassen und kann mittlerweile auch global zig Millionen Streams verbuchen. Mit der letztes Jahr veröffentlichten Single „Snake With A Bone“ (2025) und dem neuesten Song „Carolina“ (2026) im Gepäck kommen sie nun erneut zu uns nach Hamburg und geben einen Vorgeschmack auf das lang ersehnte Debütalbum.


Jack Gray | 13:00 - 13:30 | Top Ten Bar


Es dauerte nicht lange bis Jack Gray nach dem Release seines Debütalbums „Nights Like This“ (2019) quasi grenzenlos Airplay auf den Radiostationen Australiens erhält – ein Stunt, der in diesem Tempo nur den wenigsten gelingt. Der junge Singer-Songwriter mit dem samtig weichen Timbre fängt in seinen Songs nicht nur das Lebensgefühl der Gen Z auf authentische Weise ein. Er bringt darüber hinaus auch die Gänsehautmelodien und das Gespür für hymnische Arrangements eines arrivierten Producers mit. Singles wie „Red Rental Car“ (2017) oder „I Got 3“ (2020) sahnen in kürzester Zeit Millionen von Streams auf einschlägigen Plattformen ab und werden nicht nur Down Under von Fans und Feuilletons gleichermaßen gefeiert. Anschließend tourt der studierte Multi-Instrumentalist mit Tate McRae quer durch Australien und Neuseeland, später auch mit Matt Corby durch die USA und spielt immer wieder vor ausverkaufter Hütte. Das zweite Album „If U Were Mine“ (2024) wird erwartungsgemäß ebenfalls ein voller Erfolg, bildet aber nur den Auftakt für eine ganze Reihe von Singles, mit denen er seinen Ruf als einer der spannendsten Nachwuchs-Songwriter Australiens in den Folgejahren zementieren wird. Dass er hierzulande noch nicht allzu bekannt ist, dürfte sich spätestens nach seinem Gig bei uns nachhaltig ändern.


HEADSEND | 13:30 - 14:00 | Club


Dank einer durchdringenden Bühnenpräsenz müssen Headsend nicht nur keinen Vergleich mit den unsterblichen Grunge-Legenden der 90er scheuen – sie setzen auch neue Standards für das, was damals das Genre groß gemacht hat. Im Studio wie auf der Bühne. Eine gewisse anarchische Grundhaltung zu Komposition und Produktion steht da im Vordergrund, natürlich. Aber auch lustvolle Distortions, die Stück für Stück durch klagende Melodien sägen wie der Duft einer verflossenen Liebe durch Erinnerungen des Verlustes. Dazu ein Bass, der verspielt dahin groovt und ein Schlagwerk, das derart präzise malträtiert wird, dass auch ein Dave Grohl hier nichts zu meckern hätte. Songs vom Kaliber „Stove“ oder „Chugg“ (2025) sind dementsprechend der letzte noch nötige Beleg dafür, dass Headsend eine neue Kraft im zeitgenössischen Alternative-Bereich darstellen, mit der vermutlich nur die wenigsten gerechnet haben. Die Debüt-EP „Angel Glands“ (2026) richtet Anfang des Jahres selbst die größten Kritiker auditiv neu aus, pustet mit roher Energie sämtliche Trommelfelle frei und macht ein für alle Mal klar: das Grunge-Revival ist real, es ist hier und angesichts des Zeitgeistes auch kein bisschen zu früh. Dringende Empfehlung.


REDD. | 14:00 - 14:30 | Top Ten Bar


Moderner Punk, kurz und knackig zusammengefasst? Könnte man so sagen. Mit einem Auge blickt REDD. in die frühen 2000er, als Skate Punk der Marke Blink 182, Sum 41 und Avril Lavigne der heiße Scheiß war. Mit dem anderen schaut er sich das Beste von Rappern und Pop-Artists der Gegenwart ab, um einen ziemlich einzigartigen signature sound jenseits gepushter Trends zu entwerfen. Singles wie „Bad Days“ oder der kerngeniale Breakout-Track „Jeans So Baggy“ (2025) haben den australischen Sänger, Songwriter und Rapper nicht nur auf WG-Partys und Festivals down under bekannt gemacht. Mit einer kecken No-Fucks-Given-Attitüde und jeder Menge audiovisuellem Stilbewusstsein konnte REDD. schon den Sprung über den Pazifik wagen und in den USA, schrittweise aber auch hier in Europa Fuß fassen. Noch fristet er zwischen London und Ljubljana zwar ein Dasein als Geheimtipp, doch das könnte sich angesichts seines Debütalbums „RAUNCH“ (2025) und der jüngsten Single „juliet“ (2026) schon bald ändern. Wer live erleben will, was für ein Multitalent hier gerade dabei ist durchzustarten, erhält im September bei uns eine bislang seltene Gelegenheit dazu.


South Summit | 14:30 - 15:00 | Club


Eine gewisse Ästhetik der Entschleunigung ist nicht nur im Sounddesign von South Summit allgegenwärtig, sondern auch integraler Fokus ihres Produktionsprozesses. Zwischen Indie und Reggae, Alternative Rock und Dub erhalten die Songs des australischen Projekts jede Menge Raum zur klanglichen und atmosphärischen Entfaltung. Experimente waren dahingehend von Anfang an unverzichtbar im Jam-Prozess, bei dem schon recht früh Gänsehautgaranten von der Qualität eines „Runaway“ (2022) entstanden. Instrumentell schon ein Hochgenuss, stellte sich das erst als der Anfang heraus. Denn egal ob eine Heartbreak-Hymne wie „Changes“ auf der schmerzhaft schönen EP „Creatures“ (2023) oder der süßlich vernebelte Sommer-Soundtrack „We Are“ (2025) mit all seinen Roots-Einflüssen – hier waren und sind fünf Vollblutmusiker am Werk, denen so ziemlich alles mit bestechender Leichtigkeit von der Hand geht. Down Under sind sie daher auch spätestens seit dem Debütalbum „The Bliss“ (2024) flächendeckend zur Kultband avanciert und längst für ihre hochemotionalen Live-Shows bekannt. Nun steht mit „Run It Back“ (2026) das zweite Album in den Startlöchern, das pünktlich zur schönsten Zeit des Jahres erscheinen wird. Der Sommer ist also gerettet – und ihr Gig bei uns nicht zu verpassen.


Jamaica Moana | 15:00 - 15:30 | Top Ten Bar


Multidisziplinär spielt Jamaica Moana gnadenlos ihre Karten aus und offenbart dabei ein Ass nach dem anderen auf der Hand. Als non-binäre Musikerin, Creative Director, Model und Botschafterin ihrer Māori-Community (Ngāpuhi/Tainui) etabliert sie sich seit Jahren als mediales Phänomen in Australien und demonstriert eindrücklich, dass der kulturelle melting pot der First Nations down under einen reichhaltigen musikalischen Schatz darstellt, den es zu heben gilt. In ihrer Musik gelingt Jamaica genau das, wenn sie spielerisch Rap und R&B, Soul und archaische Energien in Tracks vom Kaliber „Just Like This“ (2019) oder „Tuggawar“ (2025) channelt. Schweißtreibend und körperlich, lustvoll und sinnlich zwingt dieser Sound zum Tanzen, zum Feiern, zum Lachen. Letztes Jahr erscheint dann mit „Bud & Deni“ (2025) die heiß erwartete Debüt-EP der schillernden Alleskönnerin, mit der sie sich zwischen einer futuristischen Neuinterpretation von Missy Elliott und ihren eigenen West Coast Hip-Hop-Einflüssen aus der Kindheit positioniert. Höchste Zeit also, dass die prominente Anführerin der australischen Ballroom-Szene nun endlich auch mal zu uns nach Hamburg kommt.


Lucky | 15:30 - 16:00 | Club


Als ihr Vater ein paar Chords zu Übungszwecken auf Papier kritzelt, markiert das für Chelsea Knight den Startschuss ihrer künstlerischen Leidenschaft und Laufbahn. Seitdem ist die australische Sängerin und Songwriterin unentwegt dabei ihre Skills an der Gitarre zu verfeinern, ihre Vocals noch ausdrucksstärker zu formen und sich auch stilistisch weiterzuentwickeln. Das ist auf ihrer kürzlich veröffentlichten Debüt-EP „Biting Heels“ (2026) in jedem Song ebenso zu hören wie auf ihren Konzerten, die sie letztes Jahr schon nach Melbourne und Sydney führten. Kurz darauf durfte sie auch die legendären Garbage als Support auf ihrer komplett ausverkauften Tour durch Australien und Neuseeland begleiten. Mit dieser neu gewonnenen Konzerterfahrung und jeder Menge frischem Material im Rucksack, landet sie dieses Jahr erstmals bei uns in Hamburg und wird für einen Abend voll emotionaler Alternative-Rock-Bretter sorgen. Keinesfalls verpassen.


Sex Mask | 16:00 - 16:30 | Top Ten Bar


Sowohl als arrivierte Punk-Reformer wie auch als irrer Live-Act haben Sex Mask über die letzten drei Jahre hinweg kontinuierlich ihre Credentials aufgebaut. Down Under zockt sich das Trio aus Melbourne mit Tracks vom Kaliber „How To Be Cool At Parties“ oder „Birds“ (2023) durch sämtliche Radiostationen und positioniert sich zielsicher in hochfrequentierten Playlisten mit Tags wie Post-Punk, Industrial, Goth oder Noise Rock. Zwar treffen all diese Begriffe den Sex-Mask-Sound nicht ganz von oben, doch sind die Einflüsse mindestens so vielseitig wie angepriesen. Gerne von grobkörnigen Distortions grundiert, sickern hier kühl groovende Synths und Gitarren in ein Rhythmusfundament, das in jeder Geschwindigkeit funktioniert. Teilweise taoistisches Rätsel, dann wieder Manifest für Außenseiter, im nächsten Moment jungianische Relfexion über das Unbewusste, sind auch die Lyrics von Sänger Ry Gray ein Amalgam von Inspirationen. Sowohl auf der musikalischen als auch der lyrischen Ebene etabliert das stilsichere Trio quasi aus dem Stegreif einen ureigenen Dance-Punk-Sound, für den sie vom SXSW in Sydney bis zum britischen Great Escape Festival schon gefeiert wurden. Wer die manisch krachenden EPs „No Love“ und „Body Broker“ (2025) hört, kapiert sofort was Phase ist. Nachdem sie letztes Jahr leider kurzfristig absagen mussten, kommt jetzt endlich ihre Premiere bei uns. Bitte anschnallen.


BIG WETT | 16:30 - 17:00 | Club


So manche Künstlerin, die Down Under schon regelmäßig Venues ausverkauft, kommt mit einem ein- bis zweijährigen Delay dann letztlich auch durch Festivals wie unseres nach Europa. Das war in der Vergangenheit so und das ist auch jetzt bei Big Wett der Fall. Das umtriebige Energiebündel mit der lasziven Verve feiert expliziten Electroclash und feminine Power in Reinform – eine Mixtur, die sie zur Soundgeberin der queeren Szene Australiens gemacht hat. Gleichzeitig spiegelt sich hier der modus operandi zwischen körperlicher Clubmusik und sozialem Engagement wider, in dem Big Wett ihren X-rated Blend aus Peaches, Kim Petras und Uffie realisiert. Selbstbewusst, frech und als Antithese zu jeder verquasten Sausage-Party geeignet. Doch bei allen Inspirationsquellen und Referenzen: diese Frau ist auf ihrem ganz eigenen Weg Electro und Eurodance, Pop Rap und Acid, Diva House und Miami Bass miteinander zu verschmelzen. EPs wie „PU$$Y“ (2023) oder „Risk It“ (2025) belegen, dass sie alle Werkzeuge dafür zur Hand hat. Höchste Zeit also sie bei uns in Hamburg begrüßen zu dürfen.


Cosmo's Midnight | 17:00 - 17:30 | Top Ten Bar


Weniger denken, mehr fühlen – klingt wie ein Credo, das sich viele in diesen Zeiten auf die Stirn tätowieren sollten. Für den Sound von Cosmo's Midnight ist es tonangebend und sorgt dafür, dass Tracks wie „Walk With Me“ (2015) oder „Down For You“ (2020) über die letzten Jahre zig Millionen Streams absahnen und zu Hymnen der pulsierenden Clubszene Sydneys avancieren. Das Duo verschmilzt schillernde Synths mit idiosynkratischen Beatstrukturen und erinnert nicht selten an die unwiderstehlichen Ohrwurmqualitäten von Jamiroquai oder den sinnlichen Groove eines Nile Rodgers. Down Under gelten Alben wie „Yesteryear“ (2020) oder das programmatische „Stop Thinking Start Feeling“ (2024) deshalb nicht zu Unrecht schon seit Jahren als moderne Klassiker zwischen Nu-Disco, Synth-Funk und Deep House, denen es einfach an gar nichts fehlt. Sorgenfreier Vibe, glasklare Produktion, zuckersüße Melodien und eine dynamische Soundentwicklung mit jeder Single, jeder EP, jedem Album. What else do you want? Achso: ein Live-Konzert im perfekten Festivalrahmen vielleicht? Wir haben da was für euch.


Playlunch | 17:30 - 18:00 | Club


Wie so viele Bands der letzten Jahre, haben sich auch Playlunch während der Corona-Pandemie gegründet und gerade in der Startphase vor allem online Fans gefunden. Mit der ersten Single „Soupe Opera“ (2023) gingen sie innerhalb weniger Tage auf TikTok viral und pfefferten noch im selben Jahr das Debütalbum „Who's Ready For A Good Time“ (2023) hinterher. Darauf: der instrumentelle Funk-Slack aus den späten Siebzigern kombiniert mit der Mixtape-Ästhetik früher Hip-Hop-Heroen und einer gesunden Dosis Indie Bedroom Pop anno 2006. Läuft! Natürlich dürfen lyrische Insider der australischen Subkultur nicht fehlen, die den Comedy-Vibe der Band in immer wieder neuen Pointen untermalen. Dass sie neben Julia Gillard und Corey Worthington auch den niederländischen Iceman Wim Hof für ein Feature gewinnen konnten, ist kommentarlos geil. Letztes Jahr folgte mit „Sex Ed“ (2025) der zweite Longplayer – ein sofortiger Favorit beim australischen Radiosender Triple J, mit dem Playlunch auch der Einstieg in den nordamerikanischen Musikmarkt gelungen ist. Nun kommen sie erstmals zu uns nach Hamburg und bringen neben unverschämt guter Laune auch frisches Songmaterial mit.


Cory Hanson | 19:00 - 20:10 | Club


Ein bisschen bittersüße Einsamkeit, eine Prise hazy Nostalgie für die Folk-Poeten der Siebziger und einen endlosen Vorrat an herzzerreißenden Riffs bringt Cory Hanson mit, um das zeitgenössische Songwritertum seines kommerziellen Muffs zu entledigen. Mit welcher Selbstverständlichkeit ihm dies gelingt, muss selbst alteingesessenen Neil-Young-Ultras die Augenbrauen hochziehen. Zunächst einmal: die Einflüsse sind klar. Ein Doug Martsch schimmert hier ebenso durch wie die Grateful Dead, Blue Oyster Cult, Soundgarden oder Sonic Youth. Und trotzdem zeigt sich die Grundierung ganz klar am sehr alternativen Country Rock orientiert. Alben wie das Debüt „The Unborn Capitalist From Limbo“ (2016) oder das grandios eklektische „Western Cum“ (2023) fusionieren all das aber zu einem Stil, der von vorne bis hinten einfach nur funktioniert. Cory Hanson ist dabei nicht bloß ein virtuoser Grenzgänger der Americana, sondern zugleich ein kluger Zeitzeuge der US-amerikanischen Gegenwart mit all ihren Unwägbarkeiten, Umbrüchen und Untergangsszenarien. Das zeichnete ihn auch schon als Frontmann der Band Wand aus. Mit seinen Soloalben erweitert er über die letzten Jahre seine Qualitäten als Musiker und Poet aber auf eine disruptive Weise, die ihn aus dem Konformen herausstechen lässt wie einen Leuchtturm im Meer.


Concrete Vehicle | 20:05 - 20:50 | Top Ten Bar


Unvorhergesehene Twists und Turns, eklektische Extensionen von Hardcore und Noise Rock, Zeitsignaturen wie aus einem Sudoku-Rätsel: Concrete Vehicles haben alle Karten im Ärmel, um zur gottverdammten Kultband zu avancieren. Streng genommen gelingt es dem siebenköpfigen Projekt innerhalb nur eines Jahres, die gesamte Untergrundszene Vancouvers in nackte Verzückung zu versetzen. Experimenteller Rock und Post-Punk, rhythmisch komplexer Jazz-Rock und die genussvolle Auflösung klassischer Songstrukturen vereint das Debütalbum „Station On The Hill“ (2025) wie die Bedingungen für eine kathartische Grenzerfahrung, die das Leben in davor und danach einteilt. Im UK gibt es daran jedenfalls keine Zweifel mehr. Sicher, die Inspirationen von Black Midi bis Black Country, New Road und der Windmill-Szene schreiben sich quasi von selbst. Aber Concrete Vehicles haben begriffen, dass es hier nicht um ein weiteres Post-Punk-Revival, sondern um die fast schon zappa'eske Dekonstruktion von Hardcore, Fusion und Gitarrenmusik insgesamt geht. Eine neue Dramatik, ein unverbrauchter Schneid ist hier in allen Songs präsent. Jeder Stilbruch ein schreiender Triumph, jede Liveshow jetzt schon legendär. Wer das verpasst, ist selbst schuld.


Alice Costelloe | 21:00 - 21:40 | Club


Das zutiefst Persönliche trifft bei Alice Costelloe auf das universell Gültige, der Song-gewordene Tagebucheintrag auf die zurückhaltende Instrumentierung einer unabhängigen Bedroom-Producerin mit Feingefühl. Die britische Singer-Songwriterin tritt bis vor wenigen Jahren primär als eine Hälfte der Dream-Pop-Kombo Big Deal in Erscheinung, macht sich abseits davon aber ab 2022 auch mit Solo-Produktionen einen Namen. Zunächst nur unter Kennern der britischen Indie-Szene, mit EPs wie „So Neurotic“ (2023) oder „When It's The Time“ (2024) dann aber auch schrittweise in anderen Kreisen, in denen ihr träumerischer Art Pop Vergleiche mit Cate Le Bon oder Hannah Cameron hervorruft. Ähnlichkeiten sind zwar kaum zu leugnen, doch ist die Musik von Costelloe introspektiver, von einem gewissen Understatement geprägt, das ihre Songs emotionaler und irgendwie auch nostalgischer geraten lässt. Auf dem Debütalbum „Move On With The Year“ (2026) behandelt sie die schwierige Beziehung zu einem entfremdeten Elternteil, mit allen emotionalen Unwägbarkeiten, die dazu gehören. Dennoch findet sie eine ruhige, ja geradezu entspannte Weise auch mit diesem Themenbereich in Liedform umzugehen – und dabei Kraft zu spenden. Ein Talent, das ihre Qualitäten als junge, offenherzige Songwriterin demonstriert und Vorfreude auf ihren Gig bei uns weckt.


Little Granddad | 21:50 - 22:40 | Top Ten Bar


Auch wenn sie in der Londoner Clubszene rund um das legendäre Venue The Windmill zu Beginn dieses Jahres viele neue Fans gewinnen können, sind Little Grandad hierzulande quasi unbekannt. Dass sie erst vergangenen Sommer überhaupt online in Erscheinung treten, ist dabei Nebensache. Dem britischen Vierer gelingen nämlich schon jetzt roughe, aber nicht minder melodische Indie-Ohrwürmer feinster Auslese, all inclusive mit mehrstimmigen Vocals, geladenen Powerchords und krossen Drums. Aufgewachsen mit den Granden aus Americana und Alt-Country, weiß die Band aber auch Einflüsse von Roots Rock im Stile von The Band bis zu grobkörnigem 90s-Indie mit Sehnsuchtsfaktor in ihren Sound zu integrieren. Der kann dementsprechend amtlich grooven wie bei „Middle Seat Of The Car“ oder dem Bob-Dylan-Cover „You're A Big Girl Now“, ein paar Songs später aber auch schroff balladesk daherkommen wie etwa in „Show Me How To Feel“. All jene Glücklichen, die einem Gig der Jungs bei ihrer UK-Tour im Januar und Februar schon einmal beiwohnen durften, wissen online nur Gutes zu berichten. Nun kommen sie im September direkt zu uns nach Hamburg.


Vienna Vienna | 22:35 - 23:20 | Club


Auf der Suche nach kathartischen Momenten mit seinem Publikum, bricht Vienna Vienna aus sozialen und kulturellen Strukturen aus und entwirft dabei Musik, die zugleich authentische Verletzlichkeit und konsequente Selbstverwirklichung ist. Aufgewachsen in Fresno, Kalifornien, findet der quirlige Singer-Songwriter früh einen sicheren Raum in seiner Kirchengemeinde, der er viel seiner persönlichen Zeit schenkt. Hier wird nicht nur gebetet, sondern zusammen gesungen, gefeiert und gelacht, mit Hilfsbereitschaft in jedem Lächeln. Es sind diese Erlebnisse von Gemeinschaft und gegenseitigem Support, die er seit Jahren auch in seinen Songs und mit seinen Fans beschwören will – sowohl unterm Kopfhörer als auch auf der Bühne. Ganz gleich ob die positive Power im Power Pop von „Vienna (Everything's Fine)“ Gänsehaut bereitet oder der politisch provokante Glimmer-Rock eines „God Save The Queens“ (2025) zum Nachdenken anregt – Vienna Vienna verfolgt angstfrei und leidenschaftlich eine eigene künstlerische Vision zwischen hymnischem Indie, Post-Punk-Revival, Pop-Appeal und New Wave mit queerer Quirkyness. Nun erschien mit „Entertain Me“ (2026) seine mittlerweile zweite EP, die er für seine Reeperbahn-Premiere ebenso dabei hat, wie einen Schimmer von Hoffnung in diesen unwirtlichen Zeiten.


Maria Iskariot | 23:40 - 00:25 | Top Ten Bar


Mehr als 180 Shows in zwei Jahren, Praises von Billie Eilishs Vater bis Producer-Genius Justin Raisen und ein leidenschaftlich abgefuckter, völlig eigener Punk-Style – was Maria Iskariot über die letzten drei Jahre einfach mal so aus dem Stegreif umgesetzt haben, spottet jedem noch so blumigen PR-Sprech. Der Vierer aus Gent zockt sich mit gottloser Energie durch die Dramatik eines „Dat Vind Ik Lekker“ oder stampfende Halftime-Trümmer á la „Wereldwaan“, beherrscht aber auch schrullige Folknummern mit kammerorchestralem Anstrich wie „Niets Gaat Verloren“ scheinbar aus dem Effeff. So haben Maria Iskariot das eigene Sounddesign jetzt schon mit beachtlicher Ausdrucksstärke realisiert. Nichts ist hier zu viel, nichts zu wenig, alles dreckig und raw, aber trotzdem präzise produziert. Zwischen Dualitäten und Distortions zerrissen, sollte moderner, durchtrainierter, ungeschliffener Punk-Rock vielleicht genau so klingen. Das Debütalbum „Wereldwaan“ (2025) wird daher nicht ganz zu Unrecht und nicht nur in Belgien schon als instant classic gehandelt – die Konzerte einstimmig mit Legendenstatus bedacht. Wer das nicht glauben mag, lässt sich im September in Hamburg eines Besseren belehren.


Sex Mask | 00:05 - 01:05 | Club


Sowohl als arrivierte Punk-Reformer wie auch als irrer Live-Act haben Sex Mask über die letzten drei Jahre hinweg kontinuierlich ihre Credentials aufgebaut. Down Under zockt sich das Trio aus Melbourne mit Tracks vom Kaliber „How To Be Cool At Parties“ oder „Birds“ (2023) durch sämtliche Radiostationen und positioniert sich zielsicher in hochfrequentierten Playlisten mit Tags wie Post-Punk, Industrial, Goth oder Noise Rock. Zwar treffen all diese Begriffe den Sex-Mask-Sound nicht ganz von oben, doch sind die Einflüsse mindestens so vielseitig wie angepriesen. Gerne von grobkörnigen Distortions grundiert, sickern hier kühl groovende Synths und Gitarren in ein Rhythmusfundament, das in jeder Geschwindigkeit funktioniert. Teilweise taoistisches Rätsel, dann wieder Manifest für Außenseiter, im nächsten Moment jungianische Relfexion über das Unbewusste, sind auch die Lyrics von Sänger Ry Gray ein Amalgam von Inspirationen. Sowohl auf der musikalischen als auch der lyrischen Ebene etabliert das stilsichere Trio quasi aus dem Stegreif einen ureigenen Dance-Punk-Sound, für den sie vom SXSW in Sydney bis zum britischen Great Escape Festival schon gefeiert wurden. Wer die manisch krachenden EPs „No Love“ und „Body Broker“ (2025) hört, kapiert sofort was Phase ist. Nachdem sie letztes Jahr leider kurzfristig absagen mussten, kommt jetzt endlich ihre Premiere bei uns. Bitte anschnallen.

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