flyer_kay157_front, © KaySchwarz157 & Bettina Schwarz

ICH SIND VIELE
Kein Ich. Kein Wir. Nur Übergänge. KaySchwarz157 & Bettina Schwarz

ICH SIND VIELE - Kein Ich. Kein Wir. Nur Übergänge. KaySchwarz157 & Bettina Schwarz



  • Queer friendly
  • Freier Eintritt

Die Duoausstellung von KaySchwarz157 und Bettina Schwarz in der xpon-art gallery untersucht Identität nicht als festen Zustand, sondern als ein bewegliches System aus Rollen, Erinnerungen, Sprache und Beziehungen. Geöffnet ist von Donnerstag, 17. September bis Freitag, 25. September 2026. Vernissage findet am 17. September 2026 um 19 Uhr statt.

Das Ich erscheint nicht als einzelne Einheit, sondern als Sammlung verschiedener Stimmen. Künstler. Vater. Sohn. Freund. Trainmaler. Unbekannt. Benannt. Nachbar. Arbeiter. Beobachter. Benutzer. Name. Alias. Wer spricht? Wer handelt? Wer wird gesehen? Identität entsteht niemals isoliert. Sie entsteht durch Begegnungen, durch Spiegelungen, durch Nähe und Distanz, durch Vorstellungen und Projektionen. Wer sind wir, wenn wir uns selbst betrachten? ICH SIND VIELE ist keine Suche nach einem festen Kern. Es ist eine Bewegung zwischen den Rollen.

KaySchwarz157 ist eines von mehreren Pseudonymen, unter denen der Künstler Kay Schwarz arbeitet. Namen wie dk76, Zarathustra157, Karacho157 und KaySchwarz157 stehen jeweils für einen andere Facette seiner künstlerischen Identität. Als Teil der Leipziger Graffiti-Szene der 1990er-Jahre ist Schwarz eng mit der urbanen Kultur der Nachwendezeit verbunden. Zusammen mit seinem Designstudium entwickelte er eine künstlerische Praxis zwischen urbaner Erfahrung, Malerei, archetektonische Elemente, Zeichen und Sprache.

„Die Linie wird zur Spur, der Kopf zum Denkraum, das Wort zum Material. Sprache beschreibt Wirklichkeit und damit auch die Vorstellung davon, wer wir sind, nicht, sie bringt sie hervor, wird zum performativen Werkzeug.“

Die Arbeiten von Bettina Schwarz erweitern die Frage nach Identität um die Perspektive des Gegenübers. Ihre Fotografien und handgefertigte Figuren untersuchen Rollen, Projektionen und die Bilder, die Menschen voneinander erzeugen. Ausgangspunkt ist die Vorstellung des Homunkulus – der künstlich geschaffenen, menschenähnlichen Figur. Was zunächst als Objekt austritt, erhält durch Kleidung, Haltung, Inszenierung und fotografische Darstellung zunehmend den Anschein einer eigenen Persönlichkeit. Beim Betrachten der als Porträts angelegten Fotografien schreiben wir den Figuren unwillkürlich Charakter, Emotion, Biografie und Identität zu. Was als künstlich geschaffenes Objekt beginnt, wird so zur Projektionsfläche für unsere eigenen Vorstellungen von Persönlichkeit und Individualität.

Während KaySchwarz157 Identität über Sprache, Zeichen, Rollen und soziale Zuschreibungen verhandelt, untersucht Bettina Schwarz, wie aus einem künstlich geschaffenen Körper durch Inszenierung, Projektion und Wahrnehmung eine vermeintliche Person entsteht. Beide Positionen berühren damit eine gemeinsame anthropologische Frage: Wie viel Identität liegt in der Person selbst – und wie viel entsteht durch den Blick der anderen?

Mit freundlicher Unterstützung der Behörde von Kultur und Medien

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