alphabet, © Katrin Ribbe

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Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. von Inger Christensen. Regie: Thom Luz.

Ein Nullpunkt. Eine Krise. Ein Selbstverlust in der Unlesbarkeit der Welt. Aus tiefster Verunsicherung – als Rettungsakt – entstand eine der bedeutendsten Dichtungen des 20. Jahrhunderts: »alphabet« der dänischen Lyrikerin Inger Christensen.

Wie „jemand, der nach einem erkenntniskritischen Unfall das Sprechen mühsam wieder erlernen muss“ (Durs Grünbein) beginnt die Dichterin Worte einzusammeln, ordnet sie lexikalisch und unterwirft sie einer mathematischen Struktur, der Fibonacci-Folge. Es ist jene, mit der sich nahezu alles Wachstum in der Natur beschreiben lässt. Wo zuvor nichts war, lässt Christensen durch die kleine wiederkehrende Formel „gibt es“ Zeile für Zeile die Welt entstehen – vom Aprikosenbaum bis zum Narwal, vom einzelnen chemischen Element bis hin zum Halleyschen Kometen. So breitet sich in unserem Beisein das Dasein aus, tritt in Erscheinung, nimmt sich Raum, weitet sich ins Universum, berührt die Unendlichkeit. Physikalisches und Psychisches geht ineinander über, Zusammenhänge entstehen, verlieren sich. »alphabet« ist ein Hymnus an das Leben im Angesicht des Todes, eine vehemente Existenzbehauptung angesichts der möglichen Auslöschung, derer sich die Menschheit befähigt hat. Es ist nicht nur die poetische Wucht, die diese Lyrikerin auszeichnet, sondern auch ihr wacher Gegenwartssinn.

Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor, mit magisch schönen Theaterbildern und drei herausragenden Schauspielerinnen aus drei Generationen.

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